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FranzJosefStangl

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Sonntag, 13. November 2011, 17:28

2.Juli 2010. Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten

Interview in den OÖ Nachrichten vom Steyr Erinnerungen eines Klosterzöglings: „Prügel für alles“ STEYR. Priester haben die Schlüsselbunde wie Schlagringe benutzt und die Heimkinder im Kloster Gleink verprügelt. In seiner Erzählung „Der Klosterzögling“ (Bibliothek der Provinz) arbeitet Franz Josef Stangl die Ohnmacht eines Buben und das Versagen des Jugendamtes damals auf. OÖN: Sie haben zuvor ein Buch geschrieben Der „Bastard – der Fürsorgezögling“. Sie wurden als lediges Kind ins Heim gesteckt. Stangl: Ich habe den Buchtitel gewählt, weil ich so gerufen wurde: Ich wurde nicht „Franz“, ich wurde „Bastard“ gerufen. Es war in einem Dorf in der Weststeiermark, stockkatholisch und ewiggestrig, schlimm, ja schlimm war das. OÖN: Die Fortsetzung ist das Buch „Der Klosterzögling“ und beschreibt wie Sie in Obhut der Patres in Steyr-Gleink waren. Stangl: Die Fürsorge in Graz hat mich von Graz, wo ich in einem relativ liberalen Heim war und weggelaufen bin, nach Gleink verfrachtet. Das Buch beginnt, dass mich jemand von dem Heim abholt und mit mir zum Bahnhof geht. Es beschreibt das ganze System. OÖN: Zu dem System in Gleink gehörten Prügel ? Stangl: Ja, ja, freilich. Das war normal damals. Die Priester haben genauso geschlagen wie die Brüder, die Fratres, wie die Weltlichen. Es war System. Die Kinder wurden mit Ruten, mit Fäusten, mit Tritten und mit dem Schlüsselbund gequält. Damals gab es ja für jede Tür einen Riesenschlüssel, der Bund hatte ein, zwei Kilo mit einem Rieseneisenring, der wurde dann auch verwendet zum Zuschlagen. OÖN: Wofür ist man bestraft worden? Stangl: Für Onanie zum Beispiel, fürs Zurückreden – ja, das ist eine gute Frage: Für alles und nichts. OÖN: Wie lange waren Sie in diesem Heim? Stangl: Von 1963 bis 1967 in Gleink, mit Ende der Schulpflicht war Schluss. OÖN: Können Sie sagen, dass Sie diese Erfahrungen verarbeitet haben oder bleibt da immer noch etwas zurück? Stangl: Man wird es insoweit nicht los, dass ich 50 Jahre später mit Ihnen darüber spreche. Ich habe eine freiwilligen Therapie drei Jahre mit einer Stunde pro Woche gemacht und drei weitere Jahre mit einmal im Monat. In Summe waren das 180 Stunden, wovon mir die Stadt Wien Gott sei Dank zwei Drittel bezahlt hat, aber das eine Drittel , das ich zahlen musste, entsprach einem halben Jahresgehalt damals. OÖN: Haben Sie jemals ein Wort des Bedauerns von ehemaligen Erziehern gehört? Stangl: Vonseiten des Herz-Jesu-Missionare-Ordens wurde auf meine Schreiben überhaupt nicht reagiert. Es wird einfach ignoriert, wie wenn ich nicht existent wäre. OÖN: Haben Sie sich um finanzielle Wiedergutmachung bemüht? Stangl: Ich habe mich um keine finanzielle Abgeltung bemüht, weil mir viel wichtiger ist, dass die Fehler von damals dokumentiert werden, dass sich die Leute einfach der Vergangenheit stellen und sagen „Ja, es war damals so, es tut uns leid!“ Aber ich halt es für leeres Geschwätz und merke es sofort, wenn jemand eine Wortspende gibt wie der Papst: „Es tut uns leid.“ OÖN: Prügelorgien sind ebenso schlimm wie sexuelle Übergriffe. Haben Sie Kontakt zu der Klasnic-Kommission, die von der katholischen Kirche für die Opfer eingerichtet wurde? Stangl: Nein, der Grund ist nicht die Frau Klasnic in Person, oder dass es der Kardinal Schönborn in Auftrag gegeben hat, weil es sind ja auch einige andere drinnen, die der Kirche nicht so nahe stehen. Ich war in einer Anstalt, die keine rein kirchliche Institution war. Die Aufsichtspflicht lag dort beim Land Oberösterreich und wurde scheinbar nicht wahrgenommen, sonst hätte dieses System nicht bestehen können.

Mittlerweile habe ich Kontakt zu Klasnic-Kommission da sich das Land Oberösterreich weigert, die Missbrauchfälle in der Erziehungsanstalt Gleink aufzuarbeiten. Begründung, Gleink :cursing: war kein Landesheim.

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Sonntag, 13. November 2011, 17:38

Re: 2.Juli 2010. Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten

danke dir fjs für diese zeilen...

fassungslos habe ich diese zeilen in mich reingeschlungen...

fassungslos, weil man den schwarzen peter hin und her schiebt und weiter reicht.

wer zeigt sich dann verantwortlich... die republik österreich, denn die hat die gemeinden aufgerufen, solche heime zu gründen...für schwererziehbare kinder, wie wir genannt wurden... jetzt sind wir schwer leidende opfer und es wird uns wieder kein gehör geschenkt... traurig ist dieser zustand...

lg robert

Robert Melzer

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3

Sonntag, 13. November 2011, 17:45

Ochsentour....

Wie ich nicht mit Erstaunen lesen durfte so hast Du die Ochsentour schon bestritten.
Ja jetzt wird es Zeit die Tour de France an den Start zu bringen.
Ich werde gerne bei der letzten Tour im Rathaus einlaufen,
ich bringe aber nicht ein verschwitztes Leibchen mit, sondern den Koffer (sorry da wartet schon einer auf mich),
für die Entschädigung, in Zeiten wie diesen vertraue ich keiner Bank.

FranzJosefStangl

unregistriert

4

Sonntag, 13. November 2011, 17:45

Re: 2.Juli 2010. Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten

Danke, Robert. Ich bin stärker als diese Komiker.Es dauert halt nur a bissl länger :-))