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Montag, 18. Februar 2013, 09:13

Psychotherapeuten schlagen Alarm

Verschärfung der Mitteilungspflicht im neuen Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz gefährdet Arbeit mit Schutzbedürftigen


Das Bundesgrundsatzgesetz zur öffentlichen Jugendwohlfahrt soll neu formuliert werden. Die Schwerpunkte dieser Gesetzesinitiative betreffen u. a. die Neuformulierung der Mitteilungspflichten bei vermuteten Kindeswohlgefährdungen. Die angedachte Neuerung sieht eine weitreichende Verschärfung der Mitteilungspflicht auf psychosoziale Einrichtungen und Angehörigen der Gesundheitsberufe gegenüber Kinder- und Jugendhilfeträger (Jugendwohlfahrt) und der Staatsanwaltschaft sowie Gerichten vor.

Ohne Verschwiegenheit keine Offenheit

Verschwiegenheit im Behandlungs- und Beratungskontext ist vielfach die Voraussetzung dafür, dass sich Betroffene überhaupt an die Jugendwohlfahrt wenden und eine Gefährdungsabklärung beginnen kann. Verschwiegenheit ist dabei ein zentraler Faktor, der die Mitteilung vertraulicher Inhalte erst ermöglicht.

Das gilt ganz besonders für die Psychotherapie, aber auch für andere Behandlungs- und Beratungsleistungen. Eine der wichtigsten Grundlagen für psychotherapeutisches Arbeiten ist das Wissen der Patienten um die Verschwiegenheitspflicht der PsychotherapeutInnen. PsychotherapeutInnen sind darauf angewiesen, dass sie ihren KlientInnen einen vertrauensvollen Umgang mit Informationen zusichern können, da KlientInnen sich nur dann anvertrauen, wenn sie auch auf die Schweigepflicht vertrauen können.

Auskunftspflicht ohne Möglichkeit der Interessenabwägung verunmöglicht Gefährdungsabklärung

Besonders bei Gewalt- oder Missbrauchsverdacht im familiären Kontext ist eine sorgsame Gefährdungsabklärung durch psychosoziale Berufe, ohne weitere Involvierung der Behörden, erforderlich, um die tatsächliche Gefährdung und die daraus resultierenden notwendigen und optimalen Schritte zum Schutz des Kindes einleiten zu können. Vertrauensschutz ist dabei die Voraussetzung, um bei begründetem Verdacht überhaupt in einen konstruktiven Arbeitskontext zu gelangen und die Verhaltensänderungen in der Familie zum Schutz des Kindes erreichen zu können.

Aus diesen Gründen lehnt der ÖBVP (Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie) eine gesetzliche Regelung betreffend Mitteilungspflicht in psychosozialen Einrichtungen und bei Angehörigen gesetzlich geregelter Gesundheitsberufe - ungeachtet der berufsrechtlichen Verschwiegenheitsverpflichtung - entschieden ab.

Quelle OTS0031 2013-02-18/09:18
180918 Feb 13

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analysis (18.02.2013), jocki (18.02.2013)

hakö

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2

Donnerstag, 21. Februar 2013, 05:02

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm

Wenn die Fürsorge und andere Stellen über Gespräche mit den Therapeuten informiert werden, wird das ein Schritt in die falsche Richtung.
wer vertraut sich dem Therapeuten noch an, wenn er damit rechnen muss, dass er danach an diese Beamten quasi verpfiffen wird?
Das ist eine Art Gedankenkontrolle, wenn meine Therapiegespräche nach aussen getragen werden.
Sie werden alles wissen wollen was in den Köpfen der Therapierten steckt.

3

Donnerstag, 21. Februar 2013, 09:23

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm


wer vertraut sich dem Therapeuten noch an, wenn er damit rechnen muss, dass er danach an diese Beamten quasi verpfiffen wird?


die therapeuten stehen eigendlich unter der verschwiegenheitspflicht und würden sich straffbar machen wenn sie dagegen verstossen.

4

Donnerstag, 21. Februar 2013, 09:30

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm

Und genau das ist was sie ändern wollen, lieber Chrisu.
Sie haben dann noch mehr Kontrolle.
Wem kann man sich dann noch anvertrauen?

5

Donnerstag, 21. Februar 2013, 09:31

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm

Aber der Ärzteeid hat heute kaum mehr Bedeutung. Irgendwo hat der Käse immer ein Loch :D
Und die Beweisführung und der Gegenbeweis das Ärzte nicht ihren Eid gebrochen haben ist auch immer so eine Sache.

6

Donnerstag, 21. Februar 2013, 09:36

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm

meiner meinung nach hat dann eine therapie keinen sinn und würde das erlebte nur verschlimmern.

lg, chrisu

7

Donnerstag, 21. Februar 2013, 09:54

Re: Psychotherapeuten schlagen Alarm

Lieber Chrisu, und genau dieses Thema der Therapeuten wurde in der Sendung von 2011 in der Sendung Pro & Contra diskudiert. Das Wunden erneut aufgerissen werden, sollte man mit einem Therapeuten in falsche Hände kommen.

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