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Sabine62

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?

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Freitag, 21. November 2014, 13:19

Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Viele Jahre war ich nicht dazu bereit mich meiner Vergangenheit zu stellen und habe alles verdrängt. Nun aber denke ich das ich es, wenn nötig auch mit psychologischer Unterstützung, schaffen kann. Mir ist klar das es ein langer Weg wird bis zu dem Punkt an dem ich sagen kann "ich habe meine innere Balance gefunden und kann mit meiner Vergangenheit abschließen".

Meine ersten Schritte auf dem Weg in mein neues :thumbsup: Leben:

1. Schritt: meine Akten über meine Zeit im SOS-Kinderdorf mit anschließender Heimunterbringung vom JA angefordert.
2. Schritt: mich beim WR gemeldet und eine Einverständniserklärung für Nachforschungen etc. hinterlegt.
3. Schritt: ich habe alles niedergeschrieben. Ich muss sagen das es mir gut getan hat meine Vergangenheit chronologisch . Einfach die Erlebnisse mal runterzuschreiben, vieles aus Erinnerungen, einiges aus Erzählungen und manches wurde beim lesen hier im Forum wiedererweckt.

Es werden noch viele weitere Schritte folgen, aber wie heißt es so schön "Step by Step"

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scheinbar

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Freitag, 21. November 2014, 17:09

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Weißbuch glaube jeder findet seinen eigenen Weg seinen Weg um mit der Vergangenheit um zu gehen bzw es zu verarbeiten. Ratschläge sind Ratschläge bzw. Können helfen den weg zu finden zu meistern jedoch bin ich der tiefen überzeugen das doch jeder seinen Weg geht und findet! Mache haben psychologische Hilfen Anspruch genommen bzw psychotherapeutische (damit es auch wichtig zu wissen das der die jenige auf Traumas spezialisiert sein sollte!
Auch ist es wichtig zu wissen das rinnen hoch kommen können die man verdrängt hat die einen dann sehr belastend sein können! Hier im Form habe ich für mich einen platz gefunden se einer seits öffentlich zu machen eine seits ist es gut für mich gewesen zu wissen ich bin nicht allein! Aber auch ich bin dann meinen Weg gegangen mit sehr viel Mühe und allem was sich dann so auf tut mein weg ist auch noch nicht zu Ende aber ich bin ruhiger geworden gedultsamer usw! Wichtig in nach hinein betrachtet warmes wichtig für mich das Form gefunden zu haben einen Therapeuten einen platz in Dr psychiatrien wo ich mich zurück ziehen könnte wenn es aus psychische Sicht zu arg wurde eben meinen Weg! Auch du wirst deinen Weg zur Aufarbeitung deiner Erlebnisse finden ! Lg mike

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dagmar

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Samstag, 7. März 2015, 10:50

Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Hallo zusammen,
ich will mich einmal bedanken, den durch dieses Forum,habe ich erst richtig begonnen meine Vergangenheit
etwas aufzu arbeiten.
Hätte ich nicht hier unzählige Geschichten von euch gelesen und immer mehr Mut gefasst,mich einfach meiner zerissenheit
zu stellen.es waren schmerzvolle Monate, ständig dreht sich in meinen Kopf ein Rädchen und es dreht und dreht sich.
Warum hast du dies und das getan, warum , warum ,warum?
Irgendwann letztes Jahr ist mein Gedanke gereift: Du gehst damit an die Ombudsstellen,erkundigst dich, schreibst deine Geschichte - ja sogar meine Biografie.
Hätte nicht gedacht das ich so schnell eine Antwort bekomme und auch nach Österreich zu einem Gespräch eingeladen werde.
Dies war nun gestern der Fall. Es hat mir sehr gut getan, meinen " Rädchen " freien lauf zu lassen!
Ihr kennt alle dieses Gedanken - wirr -warr ! Ein Gedanke, gibt den anderen und es hört einfach nicht auf! Denke auch, es wird nicht so schnell enden.

Aber es ist gestern in den Gespräch in Salzburg klar geworden, dass ich zu der kleinen Dagmar in mir, sehr sehr liebevoll umgehen muß, nicht dauernd zu ihr sage du mußt, stell dich nicht so an, ist doch gar nicht so schlimm, reiß dich zusammen.!!!
den diese groß starke Dagmar, lässt dies einfach nicht zu, sie schimpft ständig mit ihr! Wenn die gedanken kommen, dann herscht sie, die kleine Dagmar an und dann muß sie immer weinen,da sie so alleine gelassen ist ihrer kleinen Kinderseele so viel zugemutet hat.
Ich gehe schon Jahre lang zu einer Psychologin, aber die hat nicht einmal dies so gesagt als gestern die Frau Roth.
Dies ist vielleicht ein Weg damit umzugehen.
Ich bin, nicht verbittert,da ich weiß und überzeugt bin eine große " LEBENSLEISTUNG " hinter mir habe.
Eine von den beiden in meiner Seele : Die große starke Dagmar, die an der kleinen so gebrochen ist.
Alles wird gut, ich hoffe es und glaube doch daran. Es ist eben diese stärke, die mich weitet treibt.

Sicher sollange die Kinder daheim sind,ist unsere Gedankenwelt eine ander.Es kommt immer wieder etwas hoch,eben ein auf und ab.
Jetzt sind die Kinder seit circa 13 Jahren außer Haus und damit begann dieser schmerzhafte Lebensabschnitt,wo wir die bewußter noch einmal erleben.
Ende März, habe ich dann in Linz eine Akten Einsicht und ein Gespräch über meine schlimme Zeit bei meiner Pflegemutter,bevor ich dann wieder ins Heim kam.
Also ich bin am aufarbeiten, wie ihr hier alle.
Ich wünsche euch auch, das eure geschundene Seelen, irgendwann ein wenig gesunden können.
Eine schöne Zeit für euch.
Dagmar

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Johann II

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Samstag, 7. März 2015, 15:54

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

@ dagmar

Deine Gewchichte ist voll nachvollziehbar und bestätigt, dass es zutrifft, wenn man sich beschäftigt hält, dass man genügend abgelenkt ist und die Erinnerungen nicht zu tage treten.

Kommt man nach dem Trubel dann einmal zu sich, dann dringt all das hervor, was zuvor dem Bewußtsein verborgen blieb!

Dann heißt es aber stark bleiben und es durchstehen, bzw. sich auch Hilfe zu holen!

LG - HansL

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mariechen

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Sonntag, 8. März 2015, 06:44

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Seit ich die Frage gelesen habe, bzgl. Verarbeitung der Vergangenheit, sind in meinem Kopf so viele Gedanken. Es fällt mir schwer der Reihe nach zu schreiben. Kaum will ich anfangen, ist schon der nächste Gedanke da. Sie prasseln unaufhaltsam auf mich ein. Was eine normale Frage, angesichts dem, was wir alle erlebt haben, auslösen kann!
WIR müssen in Ordnung bringen, was die, denen wir anvertraut haben, versaut haben!
Ich war ja nicht übers Jugendamt, sondern sozusagen in privater Pflege. Doppelt mißbrauchtes Vertrauen; meines und das meines Vaters. Andererseits, wie konnte er jemandem sein Kind anvertrauen, von dem er gewußt hat, das er "ganz gerne einen über den Durst trinkt", daß er dann aggressiv wird? Es war sein bester Freund! Na, sei`s drum, war ja nur übergangsweise gedacht! Welcher Übergang war hier geplant? Der zur "neuen Familie meines Vaters", meiner ins seelische Aus?
Haben die, die uns so viel angetan haben, die uns unsere Kindheit und Jugend ruiniert haben, haben die nicht irgendwann einmal gemerkt, daß "das nicht richtig ist, was sie tun?" Wenn es nur Einzelfälle gewesen wären. Aber so viele Gewalttäter und Psychopathen auf einem Haufen, nicht in einem bestimmten Zeitraum, nein, über Jahrzehnte verteilt, das will einfach nicht in meinen Kopf!
Kollegtives Kinder zerstören, ist das ein Lehrberuf gewesen, oder konnte man das auch als Quereinsteiger machen?
Wir haben all die Jahre nicht nur unvorstellbares aushalten müssen, wir verbringen in späterer Folge Jahre unseres Lebens damit, damit einigermaßen klar zu kommen. Ein bißchen viel für ein Leben finde ich! Ein ständiger Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit.
Wie können DIE mit so einer Schuld leben?? Die Vergangenheit ausblenden? Oder bewußt keinen Gedanken daran verschwenden? Ist ja normal, mit Kindern so umzugehen!
Kein Unrechtbewußtsein, kein Hinterfragen, ob das, was jeder Einzelne von Ihnen verbrochen hat "richtig" war"! Präpotenz sondergleichen! Mir hat man immer gesagt, die Suppe, die du dir eingebrockt hast, mußt du auch wieder auslöffeln. Du mußt grade stehen, für das was du getan hast! Gilt das nur für Kinder? Die Erwachsenen haben Narrenfreiheit?
Um zu der urspüngliche Frage zurück zu kommen: ich habe nach dem Tod meines Vaters 1992 eine Therapie über 2 1/2 Jahre gemacht. Die Therapeutin war zwar sehr sympathisch und ich habe ihr vertraut. Habe mich jedesmal nach einer Stunde gut gefühlt. Auf lange Sicht hat mir die Therapie aber nichts gebracht. Ich wollte immer meine Kindheit aufarbeiten. Da wurde der Grundstein für meine Probleme heute gelegt! Die Therapeutin wollte sich aber mehr mit der Gegenwart und Zukunft beschäftigen. Irgendwann dachte ich, SIE ist der Profi, vielleicht übertreibe ich, wenn ich sage, wir müssen bei der Kindheit beginnen.
Ich habe bis heute keine Therapie mehr gemacht, weil ich der Meinung war, das bringt nichts.
War zweimal, da dachte ich, ich halte "das" alles nicht mehr aus, auf eigenem Antrieb stationär im AKH, dann gings wieder eine zeitlang. Dort wurde mir eine Psychotherapie immer sehr ans Herz gelegt. Ich habe mich aber mit dem "IST-ZUSTAND" zufriedengegeben. Nämlich, daß ich wieder eine zeitlang mit dem Leben zurechtgekommen bin.
Was mich all die Jahre begleitet ist der Haß gegen die "Pflegeeltern". Falls das überhaupt möglich ist, dann wird der immer größer. Gerade jetzt, wo ich wieder bei Euch bin und so viele furchtbare Geschichten gelesen habe. JETZT bin ich endlich wieder bereit für eine Therapie! Und diesmal mache ich es "richtig"! Klare Aussagen beim Vorgespräch, was ich mir erwarte...!

Was mir gerade eingefallen ist: die Volksschule in der ich damals gelebt habe, grenzt an ein Polizeikomissariat. Im Hof, so eine Art Hinterhof, konnte ich Gitter sehen und manchmal Schreie hören. Die Schule und die Polizei waren durch einen Gang im Keller miteinander verbunden. Man hat mich dort gut gekannt! Es wäre quasi nur ein Schritt gewesen und ich wäre dort gewesen, wo man mir vielleicht geholfen hätte. Aber ich habe nie daran gedacht! Nie!

Lg. Mariechen

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Sonntag, 8. März 2015, 07:41

Eine Frage ?

Was haben wir angestellt das uns der Staat so bestraft hat :frage :frage :frage :frage

Eine gute Frage oder liebe Eidgenossen :thumbsup: Lg Wolfgang

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mariechen

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Montag, 9. März 2015, 04:00

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Wir sind geboren worden, ohne das man uns darum gebeten hat! Strafe muß sein !! :a043:

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Robert - Hohe Warte 1965/66

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Montag, 9. März 2015, 17:11

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Liebes Mariechen,

ich wollte Dir nur sagen, falls es Dich interessiert und Du es nicht ohnehin weißt, dass sich diese Polizeidienststelle (das damalige Polizeikommissariat) schon lange nicht mehr dort befindet. Seit damals, als man in das neu errichtete Gebäude am ursprünglichen Standort übersiedelte, gehört auch der zweite Gebäudeteil, von welchem Du schreibst, wieder zur Schule.

Was ich hingegen nicht weiß: Sind mittlerweile eigentlich auch schon solche Aufenthalte bei "Pflegeeltern", wie Du sie offenbar erdulden musstest, durch die jetzigen Maßnahmen der Stadt Wien betroffen, vor allem, wenn sie "privat" organisiert, und gar nicht "behördlich verfügt" waren? Gerade in einem solchen Fall ist ja eine Verantwortung der Stadt Wien bestenfalls mittelbar gegeben, höchstens durch etwaige Kontrollmängel, bei denen ich aber gar nicht sicher bin, inwieweit das Jugendamt da überhaupt berechtigt oder verpflichtet gewesen wäre, genau hin zu schauen? Ich hatte gedacht, dass das selbst in Fällen behördlicher "Zuweisung" bei der Aufarbeitung der "Heimgeschichten" noch völlig durch den Rost fällt, ohne dass aber die körperlichen und seelischen Verletzungen, welche hilflosen Kindern in solchen Fällen zugefügt worden sind, auch nur um irgendetwas weniger schwerwiegend sind, als jene, zu welchen es in Heimen gekommen ist?


Liebe Sabine62,

während ich, soweit ich das behaupten kann, meine eigenen, diesbezügliche Geschichte nie verdrängt, sondern immer als Teil meiner selbst betrachtet habe - natürlich ohne mich über all die Jahrzehnte ständig damit zu beschäftigen - hat auch bei mir eine intensivere Auseinandersetzung erst mit den Zeitungsberichten, dem Forum hier, und dem Kontakt mit der MAG ELF und dem Weißen Ring stattgefunden. Heute bin ich sehr froh darüber, dadurch allerlei Informationen und Erkenntnisse gewonnen zu haben. Das ist mir sehr wichtig. Wäre mir aber beispielsweise schon früher bekannt gewesen, dass diese Akten über mich immer noch existieren, und die Möglichkeit zur Einsichtnahme besteht, hätte ich das mit Sicherheit bereits früher gemacht.

Apropos "Auslöser" Zeitungsberichte. Es war für mich ein bezeichnender Zufall, dass ich ausgerechnet eine Woche, bevor 2011 der erste einschlägige Bericht im Kurier erschienen ist, mit meinem Sohn, da es am Weg lag, beim ehemaligen "Erziehungsheim Hohe Warte" stehengeblieben bin, es ihm gezeigt, und einiges von dem erzählt habe, was ich als Kind dort erleben hatte müssen. Nein, ich hatte auch vorher nicht "verdrängt", sondern immer wieder versucht, "aufzuarbeiten". Vorher war ich das letzte Mal in den 80ern vor Ort, damals war das Gebäude noch bewohnt, und ich bin sogar beim (Garten-) Eingangstor hineingegangen, und habe jenen Weg, vorbei an der Gedenksäule zum Hauseingang genommen, den ich früher so oft mit bangem Herzen gegangen bin, und schließlich, 1966, mit dem glücklichen Gefühl wieder hinunter kam, dass ich da NIE WIEDER hinein musste.

Tatsächlich wäre ich da auch gern ins Gebäude selbst gegangen, und hätte mich umgesehen. Dann habe ich allerdings davon Abstand genommen, da ich nicht wusste, was man dort vielleicht von einem fremden, erwachsenen Mann halten würde, der dort nicht hingehörte, aber einfach das Haus betrat. Man hätte das ja auch falsch verstehen können. Nie, nie, niemals aber hätte ich damals gedacht, dass, wenn sich auch schon vieles an der "Haltung" von Kindern und Jugendlichen dort verändert und verbessert haben mag, offenbar aber (nach so rund, oder sogar über 20 Jahren) immer noch junge Menschen auch gelitten haben, dort. Das ist mir erst hier im Forum klar geworden.
Liebe Grüße,
Robert

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Dienstag, 10. März 2015, 05:59

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Lieber Robert!

Danke für die Info bezl des Polizeiwachzimmers in der Grubergasse! Habe das zum ersten Mal gehört, daß die Polizei nicht mehr dort ist und die Schule den Teil dazu bekommen hat.
Als ich vor Jahren einmal vor der Schule gestanden bin und zu den Fenstern geschaut habe, hinter denen Gewalt, Lieblosigkeit, Gürtel, Kochlöffel und dergl. gewohnt haben, da habe ich nicht mehr an das Polizeiwachzimmer gedacht. Obwohl ich auch dort vorbei gehen wollte. Da konnte ich Helga so deutlich spüren, als würde Sie noch immer da stehen. In einer Ihren bunten Hausschürzen, konnte Ihre Stimme hören, wie Sie immer gesagt hat :" Do kum eine jetzt!" Der drohende Unterton der Unheil verkündete, hat ziemliche Beklemmung in mir ausgelöst. Mir fehlen, wie ich schon erwähnt habe, sehr viele Erinnerungen aus meinem Leben. Aber wenn ich an diese Zeit denke, da sehe ich so vieles vor mir, so viele Einzelheiten. Da habe ich auch noch einen widerlichen Fischgeruch in der Nase (sorry, aber das kam jetzt wie von selbst.. :a093: ), der " an manchen Tagen im Monat unüberriechbar war" !
Ganz normal bin ich aber nicht! Obwohl ich eigentlich immer nur Haßgefühle gegenüber Helga und Peter gehabt habe, in diesem Moment mache ich eine neue Erfahrung: nach dem letzten Satz hat sich ein Gefühl des Mitleids gegenüber Helga in mir breit gemacht. Obwohl es mich überfordert und obwohl ich weiß, das Sie kein Recht darauf hat, Sie tut mir leid! Sie hat kein leichtes Leben mit Peter gehabt! Gut, irgendwie haben die beiden sich schon verdient! Aber jetzt im Alter, hat er die Hosen an, hat sich nicht viel verändert seit damals. Sie aber ist alt und kraftlos geworden. Säuft wie eh und je, Sie ist krank und schwach und Sie lebt für die Tage, an denen Peter auf Kur oder sonst wo ist und an denen Sie heimlich Besuch von Ihrer Tochter bekommt! (an die ich mich kaum erinnere, weiß nur, daß Sie sehr früh ausgezogen ist und daß es bei jedem Besuch von Ihr zum Streit gekommen ist) Ich habe leider vergeblich versucht die Kinder von Helga zu finden. Es wäre wichtig für mich zu wissen, wie es Ihnen in der Zeit bei Ihrer Mutter und dem Stiefvater gegangen ist. Und wie sie damti umgehen.

Seltsam, was das Schreiben meiner Antwort plötzlich in mir ausgelöst hat..!

LG. Mariechen

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Dienstag, 10. März 2015, 12:17

Re: Was habt ihr unternommen bzw. unternehmt ihr um eure Vergangenheit zu verarbeiten?

Also Mariechen,

das, was Du hier geschrieben hast, vermittelt mir aber keineswegs den Eindruck, Du seist irgendwie "nicht ganz normal", wie Du es formuliert hast. Ganz im Gegenteil, ich halte das sogar eher für einen äußerst sympathischen Wesenszug von Dir, und auch ganz besonders bewundernswert, wenn es Dir sogar in diesem Fall "gelingt" so etwas wie Empathie zu verspüren, gegenüber einer Person, welche Du als Peinigerin wahrgenommen hattest.

Etwas davon ist aber bereit aufgeblitzt, als Du mir gegenüber in Deiner PN bemerkt hattest, dass Helga hin und wieder, vor allem frühmorgens (wir wissen, warum gerade dann), auch "recht nett sein" konnte. Allein schon, dass Du auch an so etwas überhaupt denken kannst, lässt mich glauben, dass Du auf einem guten Weg bist, was Aufarbeitung und Überwindung der Vergangenheit betrifft.
Liebe Grüße,
Robert

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Freitag, 13. März 2015, 05:26

"Pflegeeltern"

Lieber Robert!

Nein, "privat" organisierte "Pflegeeltern" wie ich sie hatte, sind nicht von den Maßnahmen der Stadt Wien betroffen! Es waren ja keine offiziellen Pflegeeltern, ich habe sie, weil es einfacher zu erklären war,zwar immer so genannt, aber in Wahrheit waren es nur Freunde meines Vaters. Sie werden in meinen Akten auch nur einmal erwähnt. Und zwar, als es endlich so weit war, daß ich zur neuen Lebensgefährtin meines Vaters ziehen sollte, da hat seine Ex-Frau an meinen Vormund geschrieben, daß Sie dringend davon abraten möchte. Sie hat dann Gründe angegeben, die nicht alle der Wahrheit entsprochen haben, zb. daß die neue Frau Trinkerin sei (davon hab ich in den Jahren nx gemerkt ) , Ihre Gesamtaussage aber war, daß ich dort nicht gut aufgehoben sei! Man sollte mich bei der Familie Tobolka lassen, da ICH DORT GUT GEHALTEN WERDE! (wenn man liest, was ich bei meinen sogenannten Pflegeeltern alles erlebt habe, trifft das Wort "gehalten" irgendwie den Punkt..)
Sie hat sich auch bereit erklärt, mich, alternativ, zu sich zu nehmen!
Ich konnte in meinen Akten keine Stellungnahme von Vormund oder Gericht finden!
Wie Du schon erwähnt hast, es war ja nicht behördlich verfügt, darum hat es damals wie heute niemanden interessiert!
Was das Jugendamt betrifft, das war in meinem Leben ab dem Zeitpunkt, als ich mit 2 Jahren aus dem Heim kam, nie wirklich - persönlich-präsent!
Die einzige Zeit an die ich mich erinnere war, als ich aus der Stadt des Kindes mit 13 erstmals zu meiner Mutter gezogen bin! Da gabs öfter Besuche und Gespräche mit der zuständigen Betreuerin! Aber damals hätte man gut und gern darauf verzichten können! Da ist es mir ja, gemessen an den Jahren vorher, gut gegangen! Die Dame vom JA hieß damals übrigens Pfeifer. Seit Ihrer Heirat heißt Sie STAFFA und ist die Leiterin und Sprecherin des Jugendamtes!
Ich habe Sie einmal, bei einem Termin im JA 13/14 gefragt, (ich glaube, das war nach einem Zeitungsbericht) warum man Kinder, denen es ganz offensichtlich nicht gut geht, in der Familie "belassen" würde. Ihre Antwort war: " Wir können nicht jedes Kind sofort aus der Familie nehmen. Wir beobachten und vermitteln innerhalb der Familie. Für uns ist wichtig, daß das Kind nicht hungern muß und das es gepflegt ist. (was die Kleidung betrifft) Wenn das der Fall ist, dann ist es immer besser, das Kind in der Familie zu lassen"!
Auch diese Aussage ist mir erst heute wieder eingefallen!
Ziemlich präpotent, oder?
"Das Wohl des Kindes ist oberstes Gebot!"
Seltsam, warum habe ich das Gefühl, das hier etwas nicht stimmt...? :c088:

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