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Katharina F.

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Montag, 14. März 2016, 16:44

Als Gast erwünscht?

Hallo alle!

Ich bin eine junge Sozialpädagogin, die nicht ganz zwei Jahre in einer Jugendwohngruppe arbeitet. Ich schreibe zur Zeit für mein Studium eine Abschlussarbeit, wo es um Missbrauchs- und Gewaltprävention gehen soll: die Frage, die ich bearbeite, ist: wie kann man in heutigen Wohngruppen Kinder bestmöglich vor Gewalt durch Pädagogen schützen.
Also das ist der Grund, warum ich mich auf dieser Plattform angemeldet habe.

Nun bin ich nicht sicher, ob es in Ordnung ist, dass ich mich registriert habe. Meine Motivation war eben, die Perspektive von Betroffenen kennenzulernen - ich finde es immer sehr schade, wenn über solche Themen geschrieben wird, ohne diejenigen zu fragen, die es betrifft.

Nun meine Frage: ist es in Ordnung, dass ich hier mit euch kommuniziere oder soll ich als quasi "Nicht-Heimkind" lieber die Plattform verlassen. Ich möchte es gerne respektieren, falls mein Mitwirken nicht erwünscht ist.

Viele liebe & respektvolle Grüße,
Katharina

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koarl

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Samstag, 19. März 2016, 05:18

katharina f

liebe katharina f natürlich bist auch du im heimkinder forum herzlich willkommen und wir freuen uns natürlich auch aussenstehende menschen in unser forum einbinden zu können. ich hoffe wir können dir in hinsicht deiner fragen sicher lich antwort geben ... in freundlicher gesinnung koarl strenger heimleiter.... forumsbetreiber

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Johann II

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Samstag, 19. März 2016, 11:29

Re: Als Gast erwünscht?

wie kann man in heutigen Wohngruppen Kinder bestmöglich vor Gewalt durch Pädagogen schützen.
Herzlich willkommen jedenfalls auch von meiner Seite.

In Beantwortung der von Dir aufgeworfenen Frage nach vorbeugenden Maßnahmen wäre doch die beste Prävention wenn man vermeidet Kinder in ein Heim oder in Wohngruppen zu stecken, wobei zugegeben sich dies manchmal auch nicht vermeiden lässt! Man hätte damals die Zahlen der Einweisungen jedoch sicherlich reduzieren können, wiewohl man auch heute die Anzahl der Fremdunterbringungen wahrscheinlich reduzieren könnte.

Die Kriterien für eine Einweisung in ein Heim könnten demnach höher angesetzt werden, eine verstärkte Hilfe zur Verbesserung der Familienverhältnisse für betroffene Personen könnte zur Umsetzbarkeit beitragen und würde auch weniger Aufwand und Kosten verursachen als ein langer Heimaufenthalt.

Weiters wäre gut vorstellbar, dass es gut wäre wenn in den jeweiligen Lehrplänen in sehr viel stärkerer Ausbreitung auf die Auswirkungen von Gewalt auf junge Menschen hingewiesen würde.

Auch wäre gut zu lösen wie man Pädagogen für Überlastungen, die wohl im Zuge der Ausübung ihrer Tätigkeit auf sie zukommen werden, soweit festigen kann, dass Gewaltanwendungen vermeidbarer, oder vielleicht gleich ganz ausgeschlossen werden können.

Ich hoffe diese Anregungen sind brauchbar und für Dich zu verwerten.

Liebe Grüße - Johann

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Samstag, 19. März 2016, 15:17

Re: Als Gast erwünscht?

Hallo Katharina!
Herzlich willkommen im Forum!

Du hast eine menge Arbeit vor Dir!

Leider wirst Du, auch, auf einige nicht so schöne Antworten stoßen,aber es gehört leider auch dazu!
Ich von meiner Seite wünsche Dir einen schönen Aufenthalt (im Forum ) und hoffe auch auf Antworten auf deine Fragen!


H33

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Samstag, 19. März 2016, 17:51

Re: Als Gast erwünscht?

Hallo Katharina!

Es zeigt schon von vertrauen und Respekt das du hier bei uns gelandet bist! Stärke deine gegenüber mit Zuneigung vertrauen usw wenn das alles herangezogen wirt ist es nur schwer vorstellbar das misshandlungen missbrauch vertuscht werden und das um und auf ist woll suppervision mit sich selbständig den Team! Grüß dich lg.mike

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michael wimmersdorf

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Sonntag, 20. März 2016, 10:10

Re: Als Gast erwünscht?

Hallo Katharina F.

Vorerst heiße ich Dich herzlich willkommen in unserer Runde.

Du solltest so viele wie mögliche Treffen mit ehemaligen Heimkindern wahrnehmen bzw. anstrengen,
da wir die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht haben. Obwohl wir prinzipiell die
gleichen Erfahrungen gemacht haben hat jeder seine eigene Meinung dazu.

Wie Du sicher weißt gibt es unzählige wissenschaftliche Arbeiten zum Thema.
Vorallen solltest Du die Rolle der Politik in den 50-80er Jahren hinterfragen,
da der allgemeine Missbrauch, die Misshandlungen die bis zur Folter führte sonst nicht so gehäuft möglich gewesen wäre.
Gutes gelingen bei Deiner Abschlussarbeit.

Wenn Du Fragen hast kannst Du dich gerne an mich wenden.

Lg. Michael

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Sonntag, 20. März 2016, 11:36

Re: Als Gast erwünscht?

Hallo Katharina...
erst einmal willkommen :thumbsup:
Ich hatte im Jänner auf Bitte meiner Psychologin einen Austausch mit angehenden Sozialpädagogen (ich erspare mir das "innen") in der FH-Linz
Hatte aber heftig Bauchschmerzen ob dieser Gespräche, was aber dann folgte war sehr erstaunlich.
Hatte immer das Gefühl das sehr wohl ein reges Interesse ob meiner Schilderung da war, viele Fragen wurden gestellt . wollte es aber immer ohne Selbstmitleid rüber bringen
Es dauerte länger als meine Psychologin geplant hatte, bis zum Schluss des Unterrichtes.
Am Schluss wurde ich mit viel Applaus verabschiedet....danke noch einmal an diese Klasse.!!

Am Schluss noch eine Meinung von mir persönlich der seine Kindheit und seine Jugend in Heimen verbracht hat: " Ich mache mir keine Sorgen ob eurer Qualifikation und eurer Motivation die ihr für diese Berufung mitbringt, ich mach mir nur Sorgen um die Kinder und Jugendlichen mit denen ihr zu tun habt ".
viel Erfolg für dich ....da Bert ;)

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Johann II

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Sonntag, 20. März 2016, 17:15

Re: Als Gast erwünscht?

Danke lieber Michael! :)

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Sonntag, 20. März 2016, 20:41

Re: Als Gast erwünscht?

Hallo!

Danke für all eure Antworten!! Die Resonanz freut mich wirklich sehr!!! :)

@Johann: ja das Reduzieren von Unterbringungszahlen ist wirklich immer noch angebracht. Manchmal sind wir in der komischen Situation, dass eine Mama wieder ein Baby bekommt, das dann bei der Mama bleibt - ich hab das Geschwisterchen in der WG sitzen und dann red ich mit meinem WG-Schützling: wie ist es für dich, dass du in einer WG sein musst und dein Baby-Geschwisterchen nicht? Und dann kommen so Antworten wie: schon okay. Hauptsache mein Geschwisterchen kommt nicht in eine WG. Das sagt wohl alles :(
Ich weiß gar nicht, wie ich meinen Kids das erklären soll, warum die Situation so ist. Weil in Wahrheit weiß ich selbst oft nicht, warum das Jugendamt seine Entscheidungen so trifft, wie sie es treffen. Wenn man als Sozialpädagoge versucht kritisch nachzufragen, dann merkt man oft ein Sozialarbeiter bearbeitet einfach zu viele Fälle und sie machen alles schnell schnell.....
Das oberste Ziel der MA11 ist ja Rückführung in die Familie: ich habe keine Ahnung wie oft sie wirklich Rückführungen erreichen. Ich werde es euch mitteilen, wenn ich selbst eine erlebe...bin einstweilen aber nicht sehr optimistisch :( Meine Kolleginnen, die länger dort arbeiten, haben in 6 Jahren zwei Rückführungen erreichen können. Keine große Ausbeute :/

Ja mehr Familienhilfe schon BEVOR es überhaupt zu einer Fremdunterbringung kommen muss, wäre stark angebracht. Ich hab mal mit einer zuständigen MA11 Mitarbeiterin gesprochen, was Kinder mit Behinderungen betrifft. Da sind früher jedes Jahr zig Kinder abgenommen worden und das jährlich. Seit die Behindertenhilfe so ausgebaut ist, hat sie mir erzählt, sie nehmen so ca 5 Kinder mit Behinderungen im Jahr ab, die einen IntegrationsWGplatz brauchen - kaum zu glauben, wie drastisch das reduziert worden ist, wenn man diesen Zahlen glauben schenken darf.....

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Sonntag, 20. März 2016, 21:01

Re: Als Gast erwünscht?

@Bert:

Danke für deinen Beitrag - das ist ein super Denkanstoß. Wir Sozialpädagogen erhalten ja Supervision und Teamsitzungen und Mitarbeitergespräche mit der Chefin etc etc. Alles Möglichkeiten, um sich über das eigene Arbeiten Gedanken zu machen.

Aber was bekommen die Kinder?? Die haben nicht jedes Monat Supervision, wo sie sagen könnten: meine Erzieher kotzen mich an - sie sind einfach nur unfair oder gemein etc.
Bei uns im Verein gibt es Kindervertreter - da gibt's in jeder WG ein Kind, das fährt regelmäßig zu einem Treffen mit den pädagogischen Leitungen und da sollen sie die Anliegen/Wünsche/Beschwerden von der eigenen Wohngruppe vorbringen. Aber oft denk ich mir, ist genug Vertrauen da, dass sie wirklich sich anvertrauen im Ernstfall?? WEnn ich mich versuch in unsere Kinder hineinzuversetzen, müssen sie sich ja denken: die Erwachsenen im Verein stecken sicher alle unter einer Decke...denen sag ich lieber nix.
Und dann gibt's ja die extrenen Kinderombudsmänner von der Kinder- und Jugendvolksanwaltschaft - das ist ja echt super, dass sie das eingeführt haben. Aber die Kinder kennen diesen Ombudsmann ja nicht! Also sich jemanden anvertrauen, den man nicht kennt, ist sicherlich auch schwer!

@Mike: Zuneigung und Vertrauen sind wichtige Stichwörter! Danke dafür! Das ist meine große Hoffnung: dass man den Kindern so viel Zuneigung und positiven Zuspruch schenkt, dass sie kräftig und selbstbestimmt ihr Leben meistern und sich "gscheit auf die Fiaß stellen"...

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Montag, 21. März 2016, 11:50

Re: Als Gast erwünscht?

Liebe Katharina!

Schön, dass Du zu uns gestoßen bist!
Wann hat man denn schon so einen Gast wie Dich aus der Branche? :)

Ich meinte in meinen vorherigen Ausführungen, dass man auch stärker auf die persönlichen Schäden (auch auf die volkswirtschaftlichen) hinweisen könne, die durch Gewalt entstehen!
Somit wird das Gewissen der jeweiligen Pädagogen angesprochen und die Hemmschwelle zu Gewalt zu greifen wird höher, denke ich mal.
Weiters habe ich hier im Forum oder im FB mal eine 20-seitige Arbeit eines angehenden Pädagogen gelesen!

Also das war sowas von geistesverrenkt, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob jemand der das lernen muss, hernach eine Kinderseele überhaupt noch verstehen kann!

Wie würdest Du das sehen?

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12

Mittwoch, 23. März 2016, 13:14

Liebe Katharina!

willkommen, auch ich habe keine einwände.
du brauchst ein dickes fell um das zuverarbeiten was du hir ließt.

l.g angi

rechschreibfehler hoch qualitative schulen in den heimen besucht. ggggg

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Katharina F.

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Donnerstag, 24. März 2016, 20:54

Re: Als Gast erwünscht?

Lieber Johann!

Ja geistesverenkte Arbeiten sind mir auch schon viele untergekommen. ;) Leider ist es grade beim Pädagogik studieren so, dass man viele Wege einschlagen kann - es gibt auch die Möglichkeit, Pädagogik zu studieren ohne eine Ahnung von Kinderseelen zu haben (-> diese Leute sind dann eigentlich ausgebildet für Bildungsforschung...also PISA-Tests und Konsorten). Aber selbst wenn man den Weg geht, wo man vieles lernt über Bindungstheorie und Entwicklungspsychologie etc., dann ist noch nicht gesagt, dass man eine geeignete Persönlichkeit hat. Das ist wohl immer das Dilemma in Sozialberufen :(
Und grade das Schreiben von Abschlussarbeiten ist so eine Sache...manche wollen/müssen auf möglichst "gscheit tun" ;) andere wieder wollen wirklich für die Praxis etwas beitragen ....

Danke auch für deinen Hinweis bezüglich der volkswirtschaftlichen Schäden! Das ist ein wichtiger Aspekt...

Hallo Angi!
Danke dir :)
Ja dickes Fell ist ein gutes Stichwort. Schon allein beim Lesen der Berichte von den Untersuchungskommissionen war ich mehr als entsetzt.

Ich muss auch immer wieder an die Brutalität denken, die schon das ganze System in sich trägt. Eigentlich gehört es ja zum pädagogischen Standard, dass man Kinder in neue/fremde Umgebungen eingewöhnt. Nur bei der Fremdunterbringung ist nix mit sanfter Eingewöhnung. Als Praktikantin habe ich mal nach Dienstschluss die ganze Heimfahrt geweint - aus folgendem Grund: Ein Kind wurde nämlich vom Krisenzentrum in seine neue WG gebracht. Es hat sich an mich geklammert und gesagt: ich will im Krisenzentrum bleiben, ich will nicht in die WG. Es hatte sich ja schon davor 6 Wochen im Krisenzentrum eingelebt. Und dann die Überstellung in die WG...einfach so...ohne Eingewöhnung, ohne schrittweisen Beziehungsaufbau zu den Pädagogen dort...einfach patsch, reingestellt. Das Kind hat mir so leid getan und es hat mir so leid getan, dass ich nix für es tun kann.

Sollte ich mal etwas zu sagen haben in diesem ganzen System (was wahrscheinlich nicht passieren wird), dann würde ich unter anderem das ändern.


Das sind so die Dinge, die eine indirekte Gewalt darstellen. Direkte Gewalt ist natürlich eine ganz andere Nummer :( Habt ihr eigentlich, Erfahrungen oder irgendwelche Hinweise, was ehemalige Heimkinder mit Behinderungen betrifft??
Ich hab mal mit einer Dame gesprochen, die hat in den 80ern in einer Station für behinderte Kinder gearbeitet hat. Die hat mir gesagt, sie geht NICHT davon aus, dass es bei behinderten Kindern keine Gewaltanwendungen gab -> also auf gutdeutsch, es wurde niemand verschont. Ich finde keine Berichte im Internet dazu, was in Heimen passiert ist, wo behinderte Kinder untergebracht waren. Bei den Opferschutzorganisationen habe ich auch auf die Homepages geschaut und nix spezielles gefunden.
Manchmal denke ich mir, vielleicht kam es nie zu einer Aufdeckung ??.... Oft kommt es mir vor, als wäre das eine vergessene Gruppe :frage

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Sonntag, 27. März 2016, 14:06

Re: Als Gast erwünscht?

Aber oft denk ich mir, ist genug Vertrauen da, dass sie wirklich sich anvertrauen im Ernstfall??
Du hast recht Freinberg, das Vertauen kann man nicht mit dem Finger herknipsen! Es kann nur langsam wachsen und bildet sich auch nicht etwa in einem bloß dreimaligen Kontakt.

In Deiner ausgezeichneten Analyse wird die Situation sehr gut beleuchtet.
Leider geht der Hauptteil der Anstrengungen an den Kindern grob fahrlässig vorbei.
Die Kinder werden bestenfalls als notwendiges Beiwerk, ja sogar vielleicht als Mittel zum Zweck gesehen.

Auf die eigene Selbstverwirklichung wird offenbar von denen mehr wert gelegt als in die Umsetzung ihres Auftrags.

Der Verdacht, dass jene die an dem Programm (übermäßige Besprechungen, Fortbildungen, Symposien, Wahrnehmung hirarchischer Interessen, ec.) teilnehmen, sich in eine bessere Position bringen als ein(e) sich bemühende(r) Pädagoge(in) dürfte sich offenbar bestätigen.

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15

Sonntag, 27. März 2016, 15:32

Re: Als Gast erwünscht?

.....bei der Fremdunterbringung ist nix mit sanfter Eingewöhnung.
Das ist Vielen von uns so passiert!

In meinem Fall wurde ich in ein Auto gelockt und von der Fürsorgerin entführt.
Es fand während der Fahrt für einen 4,5-jährigem Buben eine langandauernde Adrenalinausschüttung statt, die über die Maßen ging!

Das hat natürlich einen tiefen Krater in die Seele gerissen!

Dann eine nebensächliche Erklärung warum ich nun im Heim bin und ohne geeignete Begleitmaßnahme wurde dann ein Anpassungsverhalten von mir eingefordert!

Bei mir lag einer der Knackpunkte eben dort wo ich es geschildert habe.
Bei wem Anderen liegt er halt wo anders.

Habt ihr eigentlich, Erfahrungen oder irgendwelche Hinweise, was ehemalige Heimkinder mit Behinderungen betrifft??
Auf Deine Frage hilft Dir vielleicht folgender Link -
Heimskandal - Brigitte Wanker: Die Landesverräterin - KURIER.at

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Sonntag, 27. März 2016, 16:26

Re: Als Gast erwünscht?

Danke Freinberg für deine interessante Stellungnahme! Das muss ich mir intensiv durch den Kopf gehen lassen und mich näher damit auseianndersetzen! Das ist ein Gedanke, der mir noch nie in der Form gekommen ist... dass man eigentlich das Einbinden von Kindern in Besprechungen nicht als Mitbestimmung sondern auch als Raub an Zeit und Zuneigung betrachtet! Danke dafür!!

Und was ich noch sagen will: deine Schilderung von dem ganzen bürokratischen Blödsinn ist wirklich 1A. Eigentlich sollte man die Bürokratie, die man machen muss, dann erledigen, wenn die Kinder schlafen oder in der Schule sind...dass die Realität leider nur allzu oft anders aussieht, habe auch ich schon oft genug erlebt...

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Sonntag, 27. März 2016, 16:38

Re: Als Gast erwünscht?

@ Michael: :top danke für dein Hilfsangebot und entschuldige bitte, dass ich nicht direkt auf dich Bezug genommen habe. Ich bin oft noch ein bisschen überfordert im Portal! Ich schau immer wieder herum und verliere mich dann irgendwie...
Ich werde sicher noch auf dein Angebot zurückkommen :) Momentan muss ich mal schauen, dass ich es halbwegs überblicke oder ein Gefühl für das Portal bekomme!

Viele liebe Grüße,
Katharina

Katharina F.

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Sonntag, 27. März 2016, 16:41

Re: Als Gast erwünscht?

@ Freinberg: je öfter ich deinen Beitrag lese, umso deutlicher wird mir klar, wie pointiert du die Realität auf den Punkt bringst....

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Dienstag, 29. März 2016, 16:22

Re: Als Gast erwünscht?

ich gebe einen tipp. die frage eines guten menschlichen rudelchefs setzt früher an: warum fühlte sich mein hund so unbeschützt, dass er die rolle des wachhundes annahm?
wie straff muss sich das innere band zwischen ihm und mich in zukunft knüpfen, dass er sich beschützt weiß und erst gar kein bedürfnis hat, eine rolle als zwischenwesen zu suchen?

erst wenn ich endlich die verantwortung übernehme, meinem tier in vielen situationen zu versichern, dass ich mich selbst und es schütze, und es herzlich mag, kann hund (wieder) welpe unter welpen sein.
@ Freinberg

Wie lässt sich denn dieses Beispiel auf die Situation von Heimkindern umsetzen?

Wir sind hier bei diesem Beispiel etwas ratlos zurück geblieben.

LG - Johann

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Samstag, 2. April 2016, 00:52

Re: Als Gast erwünscht?

Ja mehr Familienhilfe schon BEVOR es überhaupt zu einer Fremdunterbringung kommen muss, wäre stark angebracht. Ich hab mal mit einer zuständigen MA11 Mitarbeiterin gesprochen, was Kinder mit Behinderungen betrifft. Da sind früher jedes Jahr zig Kinder abgenommen worden und das jährlich. Seit die Behindertenhilfe so ausgebaut ist, hat sie mir erzählt, sie nehmen so ca 5 Kinder mit Behinderungen im Jahr ab, die einen IntegrationsWGplatz brauchen - kaum zu glauben, wie drastisch das reduziert worden ist, wenn man diesen Zahlen glauben schenken darf.....

Es gibt keine gerechte Kinderbetreuung. Hat es nie und wird es nicht geben.

Unsere Wertegesellschaft verhindert so ein Anliegen mit Erfolg. Hinter vorgehaltener Hand begründet man das mit natürlicher Auslese. Eine Verwertung des Ungemachs wird zugelassen, weil es Vorteile für die Protagonisten gibt. Du wirst nach meiner Einschätzung in einem Sumpf versinken, der alle Illusionen zu diesem Thema absorbiert. Trotzdem viel Glück!

Servus G.
Opfer von Amts wegen. Wenn Opfer auf die Täter-Organisation treffen, also jener Organisation in der die Täter beschäftigt waren, birgt das einigen Sprengstoff in sich.

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